Erinnerung muss sein, um uns zu Wachsamkeit und Achtsamkeit zu mahnen

DSC_0149Evangelischer Kirchenvorstand in Partenheim initiiert Holocaust-Mahnmal

„Erinnern hat meist etwas schmerzliches, Erinnern an vergangenes Schönes, an gute Zeiten, weil sie nicht mehr sind, und Erinnern an Schreckenszeiten, eben weil es sie gab. Verführerisch ist es zu verdrängen“, anlässlich der Einweihung des Mahnmals für die jüdischen Bürger Partenheims, die ein Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden, appellierte Harald Esders-Winterberg, der als evangelischer Pfarrer zusammen mit seiner Frau, Pfarrerin Sylvia Winterberg, die Dörfer Partenheim und Vendersheim betreut, an die über 60 Besucher des kleinen Festaktes, sich auch heute noch – über 70 Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen des Holocaustes – gegen das Vergessen dieses Völkermordes zu wehren: „Erinnern muss sein, weil Schuld und Scham nicht auszulöschen sind, immer wieder über uns kommen, wie Diebe in der Nacht. Unser christlicher Glaube uns aber Vergebung und Hoffnung verheißt“.
2015 5 8 KV Mahnmal PartenheimDiesem Gedanken folgend, hatte der Evangelische Kirchenvorstand Partenheims bereits vor über zwei Jahren beschlossen, den jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Partenheims ein Mahnmal zu setzen. Wie viele rheinhessische Ortschaften gab es auch in Partenheim im 19. Jahrhundert eine große jüdische Gemeinde, welche 1855 mit 165 Mitgliedern ihre höchste Zahl erreichte. Bis 1933 waren schon viele von ihnen, nachdem es z.B. 1881 zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung Partenheims gekommen war, in größere Städte bzw. ins Ausland abgewandert. Die Gemeinde bestand nur noch aus vier Familien. Die jüdische Synagoge, in deren Nähe sich heute das Mahnmal befindet, musste 1938 verkauft werden. 14 Partenheimer Juden wurden deportiert und ermordet.
An sie soll nun die von dem Alzeyer Steinmeitz Klaus Bambach angefertigte schlichte Sandsteinstele, auf der eine Gedenktafel aus Messing angebracht ist, erinnern. Nachdem die evangelische Kirchengemeinde den ersten Schritt zur Errichtung des Mahnmales getan hatte, beteiligte sich auch die Ortsgemeinde an dem Vorhaben mit einer ansehnlichen Spende, ebenso wie das Kulturforum Partenheim und ein privater Spender. Bei der Einweihung des Mahnmals, dessen musikalischen Rahmen das Akkordeonensemble „Pro Akkordeon gestaltete, waren dann neben dem Evangelischen Kirchenvorstand der Gemeinde und dem Präses (Horst Runkel) sowie der Dekanin (Annette Stegmann) des Evangelischen Dekanates Ingelheim auch Vertreter des Partenheimer Ortsgemeinderates, Ortsbürgermeister Volker Stahl sowie der Verbandsbürgermeister der VG Wörrstadt, Markus Conrad, anwesend.
„Erinnern muss schließlich sein“, stellte Pfarrer Esders-Winterberg zum Abschluss der Veranstaltung noch einmal fest, „weil uns als Nachfahren die Schrecken und Auswüchse von damals zu Wachsamkeit und Achtsamkeit heute mahnen“. Bewegt von den Worten des Pfarrers, aber auch von dem Gedicht „Nach Auschwitz“ des Theologen Ulrich Schwemer, das von Pfarrerin Sylvia Winterberg rezitiert wurde, besuchten viele der Teilnehmer des Festaktes im Anschluss auch die Ausstellung ‚Stationen des Holocaust und des Rechtsradikalismus heute‚, die derzeit im Gemeindesaal der Evangelischen Kirchengemeinde gezeigt wird.
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Hilke Wiegers, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Dekanat Ingelheim